Mit der Rauminstallation Getting Home untersucht Zora Volantes das Zuhause als existentielles Bedürfnis der Menschen nach Schutz, Sicherheit und Zugehörigkeit. Angesichts von Krieg, Flucht, Umweltveränderungen und dem Verlust bezahlbaren Wohnraums stellt die Installation die Frage, wie Schutz unter unsicheren Lebensbedingungen entstehen kann.
Ausgangspunkt sind Flüchtlingszelte in Gaza und anderen Krisengebieten. Die Künstlerin entwickelt daraus eine skulpturale Architektur aus 18 zeltartigen Stahlobjekten, deren Gerüste mit weißen, semitransparenten Latexflächen bespannt sind. Fächerartig angeordnet berühren sich die Zelte und lehnen teilweise aneinander. So entsteht eine fragile Zeltstadt, deren Stabilität nicht aus einzelnen festen Strukturen, sondern auf ihrer gegenseitigen Abhängigkeit beruht. Die Installation macht damit die Verletzlichkeit individueller Lebensräume ebenso erfahrbar wie das Potential gemeinschaftlichen Zusammenhalts.
Die Arbeit sollte in einem Raum präsentiert werden, der abgedunkelt werden kann.
Die Projektion zeigt Ameisen, die durch die Distanz zum Projektor überdimensioniert auf den Zeltoberflächen erscheinen. Ihre Bewegungen verwandeln die Architektur in eine lebendige, zugleich bedrohliche Landschaft. Als Sinnbilder kollektiver Lebensformen, Anpassung und der Suche nach Lebensraum erweitern sie die Bedeutung der Installation über die menschliche Behausung hinaus. Die Projektion der Ameisen geht über die Zeltstadt hinaus und fällt auch auf angrenzende Wandflächen.
Für die Künstlerin ist die Umkehrung von Größenverhältnissen hierbei sehr wichtig. Die Perspektive der Menschen wird außer Kraft gesetzt.
Zu der Installation gehört der Sound von miteinander kommunizierenden Ameisen, der über Lautsprecher von außen zugespielt werden.
Getting Home verbindet Skulptur, Klang und bewegtes Bild zu einer Untersuchung von Verlust, Verletzlichkeit und Solidarität. Die Arbeit versteht Architektur nicht allein als gebaute Struktur, sondern als Ausdruck eines grundlegenden menschlichen Bedürfnisses. Schutz erscheint dabei nicht als abgeschlossene, individuelle Hülle, sondern als etwas, das erst im Verhältnis zu anderen entstehen kann.
Die Rauminstallation Getting Home wurde von Zora Volantes 1999 im Rahmen des Meisterschülerstudiums bei Rebecca Horn erstmals entwickelt und 2003 im Rahmen der Langen Nacht der Museen in Berlin im Museum für Kommunikation gezeigt. 2026 hat die Künstlerin die Installation als zentrale Arbeit wieder aufgegriffen und weiterentwickelt.
Künstlerisches Statement
Zora Volantes entwickelt körperbezogene Objekte als eine zweite Haut. Sie trägt diese am Körper oder legt diese wie eine Behausung über sich. Sie nennt sie WOMBS. An der Schnittstelle von Körper, Skulptur und Architektur erforscht sie Schutz, Verletzlichkeit und Geborgenheit.
In Getting Home überführt sie diesen Ansatz vom individuellen Körper in eine kollektive Struktur. Aus der persönlichen Hülle wird eine fragile Architektur, die auf gegenseitige Unterstützung angewiesen ist.
So erweitert Volantes ihre künstlerische Auseinandersetzung mit dem Schutz des eigenen Körpers zu einer gesellschaftlichen Frage. Wie können Räume entstehen, die Menschen Halt geben – und was bedeutet es einen Ort zu haben, an dem man sein darf?

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